Wie die Corona Pandemie mein Leben als Schülerin veränderte

von Emilia S.

Endlich keine Schule mehr! Ein Traum für viele Schülerinnen und Schüler geht in Erfüllung! Oder nicht? Als bekannt wurde, dass unsere Schule für die nächste Zeit geschlossen bleiben würde, freute ich mich zunächst riesig. Ich sah einer entspannten Zeit, die ich mit meinen Freunden verbringen könne, freudig entgegen. Am letzten Schultag konnte ich noch keine sorgenvollen Blicke in den Gesichtern meiner Mitschüler entdecken. Die Atmosphäre war entspannt, alle lachten und wünschten sich schöne „Corona-Ferien“, nichtsahnend, dass ihre Vorstellung von verlängerten Osterferien, in denen man viel freie Zeit mit schönen Dingen verbringen könne, nicht ansatzweise so schön aussehen würde.

Nichts da mit schulfreier Zeit! Nur weil die Schulen geschlossen bleiben, heißt das für mich als Schülerin leider nicht automatisch, dass keine Arbeit mehr anfällt. Ganz im Gegenteil! Ich bekomme zunächst von den Lehrern etliche Mails mit Aufgaben zugeschickt, die es nun zu bearbeiten gilt. Immer häufiger bieten uns unsere Lehrer auch Videokonferenzen an, in denen wir Unklarheiten beseitigen und teilweise sogar versuchen, normalen Unterricht abzuhalten. Doch diese Situation ist für mich alles andere als normal…

Ich bin zum größten Teil ganz auf mich allein gestellt und muss mir den neuen Stoff nun  oft selbst erarbeiten und beibringen. Der Online-Unterricht soll uns den Lernstoff zwar zurzeit auch über Videokonferenzen übermitteln, doch man muss sich zuhause weitaus mehr selbst erarbeiten, als ich es bisher aus der Schule gewohnt war. Das bedeutet: ich muss meinen Tag selbstständig planen, mir meine Aufgaben selbst einteilen und mich eigenständig dazu bringen morgens pünktlich aufzustehen, um diese Aufgaben zu erledigen. Das ist leider alles andere als einfach, denn wenn ich keinen Zwang verspüre in die Schule gehen zu müssen, denke ich morgens beim Aufwachen: „Ach es ist doch noch gar nicht so spät. Ich bleib noch ein wenig liegen.“ Doch dann passiert es leider schnell, dass ich erst nach der großen Pause aufstehe und gemütlich zum Frühstücken gehe. So fängt mein Schultag meist erst viel später an, als es geplant war.

Des Weiteren bleibt mir die direkte Hilfe der Lehrer verwehrt und so kann ich, wenn ich ein Problem beim Lösen einer Aufgabe habe, nicht direkt einen Lehrer um Hilfe bitten, sondern muss ihm/ihr eine E-Mail schreiben und auf seine/ihre Antwort warten. Ich muss mir zuhause erst einmal einen neuen Tagesrhythmus aneignen und Acht darauf geben diesen einzuhalten. Ich bin es gewöhnt, zuhause hauptsächlich meine freie Zeit zu verbringen und den Tätigkeiten nachzugehen, die mir Freude bereiten. Abgesehen vom Bearbeiten der Hausaufgaben und dem Erlernen des Schulstoffes für eine Klassenarbeit oder einen Test, ist es für mich etwas Neues, einen großen Teil meines Tages zuhause an meinem Schreibtisch zu verbringen.

Nach einer Woche Homeschooling konnte ich als mein persönliches Fazit festhalten: Ich vermisse meine Lehrer und die Schule! Ich vermisse es die Mitschüler zu sehen, denen ich normalerweise täglich in der Schule begegne. Außerdem bin ich in der Schule sowohl motivierter als auch konzentrierter, denn es macht mir viel mehr Spaß zusammen mit meinen Klassenkameraden den neuen Schulstoff zu erarbeiten, als dies allein zuhause zu tun. Dass ich das als Schülerin einmal sagen würde hätte ich nicht gedacht…

Aber nicht nur in Bezug auf die Schule musste ich meinen Alltag vollständig umstrukturieren. Alle meine Freizeitaktivitäten, denen ich normalerweise wöchentlich nachgehe, wurden entweder in Gänze gestrichen oder auf eine online Version umgestellt. Mein Tennistraining wurde beispielsweise gestrichen und ich FaceTime nun einmal pro Woche mit meinem Gitarrenlehrer, um mit ihm zu üben. Diese Situation war anfangs sehr komisch und ungewohnt für mich, doch mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt meinen Gitarrenlehrer nur noch über meinen Handybildschirm zu sehen. Ich bin sogar froh, dass wir diese Möglichkeit gefunden haben, um den Gitarrenunterricht fortzuführen; es gibt mir das Gefühl von Normalität.

Um den Kontakt zu meinen Freunden zu halten, telefoniere ich täglich mehrere Stunden mit ihnen oder wir sind über Social Media in Kontakt. Ich vermisse meine Freunde und  wir sind inzwischen sehr kreativ geworden, was es anbelangt unsere Zeit gemeinsam über Social Media zu verbringen. Wir machen Spieleabende über FaceTime, bei denen jeder sein eigenes Spielbrett vor sich stehen hat oder backen zusammen Pfannkuchen. Natürlich jeder in seiner eigenen Küche.

Diese ganze Situation ist eine neue Erfahrung für mich und viele weitere Menschen nicht nur in Deutschland, denn bisher war es für mich normal mich täglich mit meinen Hobbys zu beschäftigen oder mich mit meinen Freunden zu treffen. Die Ausgangssperre hat meinen Alltag auf den Kopf gestellt und ich muss mich erst einmal an die neuen Umstände gewöhnen, was gar nicht so leicht ist wie ich am Anfang vielleicht noch dachte….