Trauer auf Abstand. Wie traurig.

von Lisette Wolkner

Beerdigungen in Zeiten von Corona

Umarmen wir jemanden, zeigen wir Mitgefühl. Es löst ein Gefühl der Geborgenheit und des Trosts aus. Umarmungen, die bei der Stressbewältigung helfen, sollten in der aktuellen Situation zwecks Infektionsschutz vermieden werden. Wie können wir unsere Trauer nun bewältigen?

Wenig könnte für Familien schlimmer sein als der Tod einer ihrer engsten geliebten Angehörigen. Er lässt die Angehörigen mit einem Gefühl der Einsamkeit und Verzweiflung zurücklässt. Normalerweise kommt die ganze Familie zusammen und spendet sich Trost. Doch was passiert nun?

Nach den neusten Richtlinien der Behörden, die die Bürger dazu anhalten, 1,5 bis 2 Meter Abstand zueinander zu halten und Menschenansammlungen verbieten, fallen Umarmungen für uns alle erst einmal weg. Selbst Angela Merkel verweigert in diesen Zeiten zum Schutz vor Covid-19 den Handschlag. Gottesdienste dürfen mittlerweile in den meisten Bundesländern nach langer Zeit wieder stattfinden.

Eine Besonderheit in der Corona Kriese stellen die weiterhin erlaubten Bestattungen dar. Zeitgleich werden die Bürger gebeten, sich von älteren Familienangehörigen fern zu halten. Wie unter solchen Umständen eine Beerdigung oder gar Trauerfeier stattfinden soll, ist fragwürdig. Bis vor kurzem durften nicht mehr als zehn Personen bei einer Beerdigung anwesend sein, so lautete die Restriktionen der Behörden. Der Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Bestatter schlägt im Interview mit dem Spiegel Online-Übertragungen der Bestattungen als Alternative vor, insofern die technischen Voraussetzungen bestünden.

Bestatter sind nicht in der Lage ihre Arbeit ausschließlich im Homeoffice zu verrichten, des Weiteren ist es nicht möglich, die Bestattungen für mehrere Wochen zu pausieren.

Trotz dessen wurde das Handwerk der Bestatter nicht als bundesweit systemrelevanter Tätigkeitsbereich deklariert. Infolgedessen hatten ihre Kinder noch bis vor kurzem kein Anrecht auf Notfallbetreuung und die rund 4000 bis 5000 Bestatter selbst bekommen wenig Schutzausrüstung zur Verfügung gestellt. Bei der Versorgung von Verstorbenen sind jedoch strenge Hygienemaßnahmen einzuhalten. Im Interview mit dem Spiegel mahnte der Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Bestatter außerdem, aktuell könnten Bestatter so gut wie keine Schutzausrüstung käuflich erwerben. Hierdurch ist es für einige Bestatter eine Herausforderung ihren beruflichen Aufgaben nachzukommen.

Wie fühlt es sich an gerade einen Familienangehörigen zu beerdigen?

Im Interview mit einer 83-Jährigen aus einer Ortschaft am Bodensee

Wen haben Sie beerdigt?

In der ersten Woche nach den bundesweiten Schulschließungen starb mein demenzkranker Mann. Es kam nicht unerwartet für uns, da es ihm schon seit längerer Zeit schlecht geht – doch trotzdem war es ein Schock für die ganze Familie.

Wie lief die Vorbereitung der Beerdigung ab?

Um mich und meine Gesundheit zu schützen habe ich versucht möglichst viel telefonisch zu organisieren. Das hat soweit auch zufriedenstellend funktioniert. Ich musste mich lediglich einmal im Voraus mit dem Bestatter treffen, um die letzten Vorbereitungen zu treffen und um Formalien zu klären. Eigentlich hätte ich sonst zusätzlich eine Trauerfeier organisieren wollen, das war nun aber nicht möglich.

Wer durfte alles an der Bestattung teilnehmen?

An der Bestattung konnten nur ich und meine Schwiegertochter teilnehmen. Mein Sohn und meine Enkelkinder durften leider beide nicht zu der Beerdigung kommen; in der Schule meiner zwei Enkelkinder hatten sie alle Kontakt mit einem bestätigt mit Covid-19 Infizierten. Das war wirklich schwer für uns, besonders für meinen Sohn und mich selbst. Meine Geschwister hätten theoretisch kommen dürfen, sie haben jedoch abgesagt. Das war aber auch verständlich für mich; eine meiner Schwestern macht gerade eine Chemotherapie und hat daher ein äußerst geschwächtes Immunsystem. Die anderen beiden kümmern sich um sie und bleiben daher soweit es möglich ist zuhause. Die restliche Verwandtschaft hat auch nicht an der Beerdigung teilgenommen.

 

Mittlerweile hat sich die Situation wieder etwas beruhigt, die Vorschriften wurden gelockert. Nach und nach wird die Pandemie zum Alltag. Um uns in diesem neuen Alltag in Würde von unseren Lieben verabschieden zu können, haben sich auch die Anordnungen. Nun ist es bis zu 50 Personen erlaubt an einer Beerdigung teilzunehmen.

Wie hat das die Situation der Angehörigen verändert?

 

Ein 16-jähriger aus einer Kleinstadt in Baden-Württemberg berichtet

Wen hast du beerdigt?

Meine Oma ist Ende April gestorben. Heute (Anfang Mai) haben wir sie beigesetzt. Sie musste lange leiden, die letzten Jahre konnte sie nicht mal mit mir sprechen. Zum Glück ist sie jetzt erlöst worden.

Wie empfandest du die Beerdigung?

Es war eigentlich gut. Zumindest relativ gesehen; natürlich bin ich trotzdem noch traurig. Was mir besonders gut gefallen hat, war, dass wir sie in Würde beisetzen konnten. Das war uns allen besonders wichtig. Wir waren insgesamt 30 Leute; ab heute waren auf Bestattungen ja wieder bis zu 50 Personen erlaubt.

Es war schön, dass sich alle von ihr verabschieden durften. Sie hatte einen schönen Sarg…ich glaube das war alles gut so. Ich muss sagen es lief besser als erwartet. Ab heute müsste ich eigentlich im Blockunterricht wieder zur Schule gehen, deshalb habe ich meinen ersten Schultag verpasst.