Lebensretter der anderen Art

von Asude Bozkurt (10c)

 

An welche Berufsgruppen würden Sie denken, wenn ich nach Lebensrettern fragen würde?

Ohne Zweifel denken Sie in erster Linie an Ärzte, Krankenschwestern, Feuerwehrmänner oder viele andere. Natürlich errichten alle Erwerbstätigen im Gesundheitssystem zu einer Zeit wie dieser eine anerkennenswerte und beträchtliche Arbeit. Dabei zeigen sie außerdem ein außergewöhnliches Durchhaltevermögen. Jedoch gibt es zahlreiche Arbeitsgruppen, die man früher im alltäglichen Leben übersah, die heute jedoch Tag für Tag unser System aufrechterhalten.

In der aktuell angespannten Situation der Corona-Krise versucht Deutschland die Infektionsrate zu verlangsamen. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt das Land auf die Minderung von sozialen Kontakten und schließt auf Grund dessen zahlreiche Arbeitsplätze, Schulen und Universitäten. Folglich müssen die meisten Erwerbstätigen in Deutschland ihre Arbeit im Home-Office fortführen. Doch diese Möglichkeit besitzen die so genannten systemerhaltenden Arbeitskräfte nicht. Trotz der momentan hohen Infektionsgefahr sind sie verpflichtet ihre Tätigkeit auszuüben. Dabei ist es natürlich schwer sich zu schützen und praktisch unmöglich sich zu isolieren.

Jeden Morgen wird weiterhin unsere Post geliefert oder unser Abfall entsorgt, selbstverständlich nicht von Maschinen oder Robotern, sondern von Postboten und Müllmännern. Diese stehen an jedem Arbeitstag in Verbindung mit anderen Menschen und potenziellen Corona-Infizierten. Das betrifft auch Apotheker, Polizisten, LKW- Fahrer, unter anderem auch Pfleger und Kassierer. Die Wertschätzung dieser systemrelevanten Arbeitsgruppen wurde bislang nicht sehr deutlich, auch wenn es sicherlich eine schöne Geste ist, vom Balkon aus zu klatschen.

Im FAZ-Podcast „Wer Deutschland in der Corona-Krise am Laufen hält“ vom 19. März 2020 wurden die Leiterin eines Supermarktes Kathrin Allman, ein anonymer Assistenzarzt aus Süddeutschland und auch Altenpflegerin Corinna Tröger interviewt. Sie sind in systemerhaltenden Branchen tätig und berichten während des Interviews über ihre momentanen Arbeitssituationen. Dabei wird die Altenpflegerin, Corinna Tröger, gefragt, was sie sich von ihren Mitmenschen und der Politik wünschen würde, Ihre Antwort dazu lautet: „[…] von der Politik wünsche ich mir, dass sie uns in den Tarifverhandlungen, die im August stattfinden, immer noch dran denken, dass wir systemrelevant sind und dass man uns einfach bisschen mehr unterstützt […]“. Sie meinte es wäre eine Möglichkeit das Gehalt zu erhöhen, sodass möglicherweise mehr Interesse an diesem Beruf erzielt wird. „Wenn nach der Krise immer noch an uns gedacht wird, würde ich mich freuen.“ waren ihre abschließenden Worte zu dieser Frage.

Sei es durch eine zeitlich beschränkte Lohnerhöhung, geringere Besteuerung oder einer Unterstützung im medizinischen Bereich, zum Beispiel durch kostenfreie Untersuchungen – das allgemeine Ziel in dieser Krisenzeit sollte es sein, diesen Menschen entgegenzukommen, sie zu unterstützen und sie wegen der großartigen Arbeit, die sie für das ganze Land leisten, zu würdigen.

An welche Berufsgruppen denken Sie nun, wenn ich nach Lebensrettern frage?