Bitte einmal digitalisieren!

von Dactylis

Digitalisierung für Schüler – Aber bitte mit Unterricht!

Es gibt beinahe niemanden, dem sie kein Begriff ist, die allermeisten sind davon betroffen, die Meinungen darüber spalten sich: Die Digitalisierung. Fast kein Beruf kommt mehr ohne Computer aus, im größten Teil der Haushalte steht mehr als ein Rechner und wer ohne Smartphone lebt, wird schief angeschaut.

Auch vor der Schule macht die Digitalisierung nicht halt. Sie schwappt in Form von digitalen Tafeln, Computern und Recherchearbeiten in die Klassenzimmer. Auf der einen Seite hat das viele Vorteile: Lehrkräfte können Tafelbilder zum Beispiel mit PowerPoint vorgefertigt auf die Tafel projizieren, ohne plastische Folien für einen Tageslichtprojektor ausdrucken zu müssen, bei Recherchen kann das Internet mit seinen Suchmaschinen anstelle von Bibliotheken zu Rate gezogen werden und Informationen können leicht und schnell über den digitalen Postweg versandt werden. Einen Haken gibt es dabei allerdings: Der Umgang mit den Programmen und Websites wie den Mailprogrammen oder den Suchmaschinen muss erlernt werden.

Ich sehe bei mir im Jahrgang, dass wir Textformatierungen meist umständlich über Einzelformatierungen erledigen, Spalten in Word mithilfe von Leerzeichen in Form gebracht werden und Shortcuts ein Fremdwort sind.

Als Schülerin, die seit ca. sechs Jahren das Gymnasium besucht, frage ich mich allerdings, warum wir so gut wie keine Fertigkeiten in Bezug auf zum Beispiel Microsoft Word beigebracht bekommen. Ich stelle diese Frage nicht an die Lehrer, sondern an den Bildungsplan: Warum werden Fähigkeiten, wie beispielsweise den Umgang mit Excel, hochgehalten, als für die Zukunft relevant erklärt und auch gefordert, aber nicht unterrichtet? Als Sonderzug kam meine Klasse zwar für ein Jahr in den Genuss des einstündigen Informatikunterrichts, allerdings beschäftigt sich die Informatik mit der Programmierung und nicht mit der Handhabung der Programme. Als Schüler müssen wir immer wieder Texte digital versenden, Auswertungen erstellen und für Referate ist eine gute PowerPoint-Präsentation zur Visualisierung gern gesehen. Dabei sind die Funktionen des Programms, die die Erstellung dieser Dateien deutlich erleichtern würden, wie zum Beispiel in MS-Word die Formatvorlagen, zumeist nicht bekannt. Wenn sie doch bekannt sind, sind sie im Normalfall autodidaktisch oder dank der Nachhilfe der Eltern erlernt worden.

In der Unter- und Mittelstufe hat unser Wissensstand für die Bearbeitung der Aufgaben ausgereicht, allerdings werden jetzt in der Oberstufe Fähigkeiten von uns verlangt, die wir nicht beigebracht bekommen haben, wie beispielsweise die schnelle, aber dennoch wirkungsvolle Recherche im Internet.

Da der Umgang mit den Programmen von immer mehr Lehrkräften verlangt wird, bin ich der Meinung, dass das Erlernen eben dieses Umgangs mit in den Bildungsplan aufgenommen werden sollte. Damit das gelingt, sollte ein einstündiges Fach eingerichtet werden, das von der fünften bis zur zehnten Klasse unterrichtet wird, in dem die effiziente Nutzung der notwendigen Programme, zumeist sind das die Programme Word, Excel, PowerPoint, Outlook, der Windows-Explorer und ein Browser, zumindest in Grundbausteinen vermittelt wird . Das klingt zwar nach vergleichsweise viel Zeit für scheinbar wenig Inhalt. Dabei ist aber zu bedenken, dass Fähigkeiten gelernt, verinnerlicht und trainiert werden müssen.

Ich möchte mit diesem Artikel nicht gegen einzelne Leute hetzten oder sie für die Defizite verantwortlich machen. Ich will zum Nachdenken anregen, warum es Defizite gibt, wie man sie beheben und in Zukunft gar nicht erst aufkommen lassen kann