Die deutsche Queen

von MK

Warum die Queen nicht so britisch ist, wie immer alle denken

Man möchte meinen, niemand sei britischer als die Queen. Diese kleine, alte Dame, mit ihrem ungemein exorbitanten Modegeschmack, die an keinem Ort passender erscheint als in einem tearoom, die höflich lächelt, wenn sich Tausende vor dem Buckingham Palace drängen und deren winzigste Handbewegungen britische Reporter noch als „Winken“ bezeichnen. Aber alles falsch, denn die Queen ist – Deutsche! Nein, doch – Oh! Schock für die Briten – ihr Staatsoberhaupt ist eine der verhassten Krautesser, entstammt diesem Volk der fetten Biertrinker, Würstchengriller und (leider auch) viel besseren Fußballer. Natürlich nicht direkt. Aber ohne die deutschen Adelsgeschlechter hätte es die britischen nie gegeben. Und das Elizabeth II. aus dem Haus Windsor vielmehr Elizabeth II. aus dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha heißen müsste, ist nur den Wenigsten bekannt. Warum also hat die Queen deutsche Wurzeln?

Im Stammbaum britischer Monarchen finden sich nicht nur deutsche, sondern auch französische, schottische, holländische und dänische Einflüsse. Genauso in fast allen anderen großen Adelsgeschlechtern Europas. Entstanden sind diese Vermischung durch jahrhundertelanges Intrigieren und Schmieden von Allianzen – nicht selten auch durch Hochzeiten. Taktische Vermählungen zur Mehrung des eigenen Einflusses waren seit dem Mittelalter rege Praxis auf dem Kontinent. So konnte es sein, dass eine russische Zarin ursprünglich aus Schwaben stammte oder ein englischer Prinz spanischer Herkunft war.

Der primär deutsche Einschlag in der Blutlinie britischer Monarchen besteht seit 1714. Damals erlosch der letzte Thronanspruch des englischen Adelsgeschlechts der Stuarts. Zur Hilfe kamen über einen Nebenzweig die deutschen Kurfürsten von Hannover, die damit die Krone und Herrschaft über Irland und Großbritannien übernahmen. Diese Konstellation blieb bis zum Tod von Königin Victoria 1837 bestehen, die allerdings wiederum einen Deutschen geheiratet hatte: Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha. Der Namenswechsel erfolgte nach dem Tod der Königin: die englische Königsfamilie wurde zu Haus Sachsen-Coburg und Gotha.

Protest gegen den deutschen Namen an britischer Staatsspitze flammte erst Jahre später auf. Die Aufrüstung des Deutschen Reichs auf dem europäischen Kontinent unter Wilhelm II erreichte gerade ihren Höhepunkt und ließ die Stimmen nach einer Abgrenzung zum Volk des großmachtbestrebten Kaisers lauter werden. 1917 wurden dann die britischen Royales wirklich britisch – Sachsen-Coburg und Gotha war passe, man nannte sich nun Windsor.

Elizabeth II kam 1952 auf den Thron, sie übernahm das Amt ihres Vaters damit als erste Windsor-Königin. Heute ist die Queen die dienstälteste Monarchin der Welt – keiner besetzte bisher einen Thron länger als sie. Zur Ikone und einem Symbol Großbritanniens ist sie unlängst schon geworden, nie war die Queen bei den Briten beliebter. Dass ihre Monarchin dabei allerdings zum Teil Deutsche ist, ignoriert man geflissentlich – Deutsch spricht sie ja nicht und in einen tearoom passt sie einfach so viel besser.

 

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