Schulsystem – ein reformnötiges System

 

Schule – viele Montage sitzt man da und fragt sich, warum sie nicht spannender sein könnte. Oder entspannender. Jeden Tag dasselbe Prinzip, selten Veränderung. Pink Floyd sangen bereits vor drei Jahrzehnten von der „Gedankenkontrolle“, ein Schulsystem, das die Schüler geradezu auf die Erwachsenenwelt zuschneidet. Und dieses System besteht immer noch. Es stellt sich die Frage: Ist das Schulsystem noch zeitgemäß?

Das Konzept von Schule ist seit jeher gleich, lediglich fühlbar kleine Veränderungen werden am System vorgenommen: die Einführung des G8-Systems zwischen 2012 und 2015 und gelegentliche Reformen des Bildungsplans sind wohl die größten Schritte. Das Problem an der Steifheit des Konzepts von Schule ist, dass es nicht in der heutigen Zeit entstanden ist. Es basiert auf der Mentalität des Zeitalters der Aufklärung und auf der Ökonomie der industriellen Revolution. Dies erkennt man an den Ähnlichkeiten einer durchschnittlichen schulischen Einrichtung mit einer industriellen. Eine Glocke unterteilt die Zeit in Schichten, verschiedene Tätigkeiten und Kapazitäten werden in verschiedenen Bereichen geliefert und überliefert. Klassen bestehen auf den meisten Schulen aus ungefähr 25 Schülern, nach Alter sortiert. Alles Anzeichen für die Struktur damaliger Massenindustrie. Die Schüler auf die heutige Wirtschaft anzupassen, ohne das Gesamtkonzept schulischer Bildung zu reformieren, grenzt beinahe an einer Unmöglichkeit.

Ein weiteres Problem ist die Sicherheit eines Arbeitsplatzes. Damals konnte man den Schülern versichern, dass sie bei einem halbwegs guten Abitur sicher einen Arbeits- oder Studienplatz bekommen. Heutzutage ist dies kaum möglich: Universitäten sortieren streng aus, Firmen suchen nach jungen Menschen mit Arbeitserfahrung. Doch wie soll man einen guten Abschluss und gleichzeitig zwei Jahre Erfahrung besitzen, wenn man, um Erfahrung zu machen, einen guten Abschluss und zwei Jahre Erfahrung besitzen muss? Aufgrund dieser Problematik sehen viele Schüler es als weniger relevant an, diesen auch zu machen. Haben sie recht?

Nach gesellschaftlicher Annahme gibt es die Akademiker und die nicht-Akademiker. Die „Schlauen“ und die „Dummen“. Es besteht das Vorurteil, ein Mensch ohne Abschluss sei nicht schlau, denn er habe nicht einmal das geschafft, was heute so viele Leute schaffen: eine standardisierte Abschlussprüfung absolvieren. Diese Menschen fragen sich dann, wieso sie denn in der Schule nicht aufgepasst haben. Der Fehler mag oft bei ihnen liegen, durch fehlende Aufmerksamkeit oder zu wenig Sorgfalt, jedoch liegen ihre Talente und Interessen meist über ihren rein schulischen Leistungen. Doch dies können sie selten noch zeigen, denn sie haben ihre Bewertung ja bereits bekommen.

Auf solche Schubladen ist auch das Schulsystem aufgebaut. Eine kreative Entfaltung wird beinahe verhindert. Mittlerweile ist bewiesen, dass die Grundvoraussetzung für diese Kreativität – das divergente Denken – mit dem Voranschreiten des Schülers in seiner schulischen Karriere leidet. Divergentes Denken ist die Fähigkeit, aus einem Problem viele mögliche Lösungswege zu finden. Hierbei findet nicht ein linearer Denkprozess statt, der zu einer „logischen“ Lösung führt, sondern ein freier Fluss aus kognitiven Prozessen, die schlussendlich viele Ergebnisse hervorbringt, die sich anschließend ordnen lassen. Jedoch wird dies nicht von schulischen Tests unterstützt. Es gibt meist eine Lösung, zum Beispiel einen Lösungsweg bei einer Mathematik-Arbeit, die akzeptiert wird. Die standardisierten Klassenarbeiten – dieselben Tests für eine gesamte Schulklasse – sind ein Problem. Sie sollen Fairness vermitteln, denn jeder Schüler hat ja dieselben Chancen, jedoch wird hier die Individualität des Schülers nicht beachtet.

Das wird sie selten. Die Ähnlichkeit zur einer Massenproduktion ist bei einer Schule sehr hoch. Schüler werden auf allgemeine Merkmale reduziert. Allein Klassen basiert auf das Geburtsjahr des Schülers sind ein Teil davon. Man kann einen Menschen nicht nach seinem Alter einteilen. Und sicher nicht nach seinen Leistungen bis zum vierten Schuljahr. Das Prinzip der drei weiterführenden Schulen ist insofern nicht sinnvoll, dass die ersten vier Jahre kaum etwas über die mentale Leistungsfähigkeit eines Individuums aussagen. Eine Abschaffung der Empfehlungen hilft hier kaum. Sie motiviert Eltern meist nur, ihr Kind in eine Leistungsgruppe zu stecken, in der sie es sehen wollen. Eine weit sinnvollere Sache wäre es, die Grundschule um mehrere Jahre zu erweitern. Hier kann man sich ein Beispiel am österreichischen Schulsystem orientieren. Hier folgt nach der Grundschule meist eine gemeinsame Mittelschule, bevor in der achten Klasse über die Oberstufe entschieden wird. Das ermöglicht den Schülern, sich länger zu profilieren und auf eine passendere Oberstufe zu wechseln.

Viele Schüler erleben viele Stresssituationen in der Schule. Stress, den sie manchmal nicht bewältigen können. Das Mindeste, was man machen könnte, um diesen Druck ein wenig zu verringern, ist die Wiedereinführung des G9-Systems. Diese wird momentan heiß diskutiert, CDU und FDP wollen das System nach dem G8-Ausschwenker wieder zum Regelfall machen. Dies ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, eine Rückwandlung zum vorherigen System. Doch das beweist auch, dass wir uns mit diesen Änderungen im Kreis drehen.

Schlussendlich ist es klar, dass dieses Schulsystem eine Änderung braucht, gar eine Reform. Doch dies ist eher eine Wunschvorstellung, denn die Umwandlung eines solchen Systems benötigt finanzielle und personelle Mittel. Unsere eigene Schule bewegt sich langsam in die richtige Richtung, soziale Projekte und anderes bringen mehr Individualität ins Schulleben. Wann die Reform kommt, bleibt abzuwarten.

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