Die Trump-Logik. Oder: Wer braucht schon Klimaschutz?

von MK

Die Trump-Logik

Trump wollte raus. Raus aus der NATO. Raus aus dem NAFTA – dem amerikanischen Freihandelsabkommen mit Kanada und Mexiko – abbrechen solle man am besten alle Verhandlungen über einen freien Handel, so der US-Präsident, auflösen alle Verträge, in denen die USA „unfair behandelt“ oder schlicht „über den Tisch gezogen“ werden würden. Internationale Abkommen wollte der Immobilientycoon aufkündigen – bloß raus aus der globalen Verantwortung der Vereinigten Staaten. Den Grund für Amerikas vermeintlichen wirtschaftlichen und politischen Niedergang sieht Trump nämlich genau darin, in einem weltweiten Geflecht schlechter Deals und Intrigen gegen amerikanische Interessen. Die seien eben nicht mehr „first“, wofür an einem Tag illegale Einwanderer aus Mexiko die Schuld tragen, an anderen die Obama-Regierung, Militäreinsätze im Nahen Osten oder schlicht die globalisierte Weltgemeinschaft.

Trump scheint überall Feinde zu sehen – Russland, China, das deutsche Wirtschaftswachstum. Große Versprechen machte der Republikaner seinen Wählern im Wahlkampf: unter ihm als Präsident werde die US-Wirtschaft wieder florieren, massenweise neue Jobs werde es geben. Die ungeliebten Einwanderer aus Mexiko? Hält man einfach mit einer Mauer draußen. Umweltauflagen, die dem Ganzen den Glanz genommen hätten, erklärt Trump von vorneherein als schlecht und hinderlich.

Der aggressiven Rhetorik dieses schmutzigsten aller amerikanischen Wahlkämpfe schenkte man – global gesehen – anfangs noch wenig Beachtung. Dass es eine Witzfigur wie dieser ehemalige Reality-TV-Star überhaupt in eine Vorauswahl der republikanischen Präsidentschaftskandidaten schaffen würde, hielt man allenfalls für lachhaft. Doch dann besiegte der Wahlkämpfer Trump einen Gegner nach dem anderen und zum Schluss sogar Hillary Clinton. Wie ernst nimmt man Äußerungen dieses Mannes dann?

Und Donald Trump machte sich nach dem Einzug ins Weiße Haus bemerkenswert schnell daran, seine großspurigen Wahlversprechen einzuhalten. Oder eben auch nicht. Die NATO, die er im Wahlkampf noch als „obsulet“ bezeichnete, wird auf einmal zum Musterknaben weltweiter Militärallianzen. Auf Syrien, von dessen Bürgerkrieg man sich eigentlich distanzieren wollte, lässt der neugewählte US-Präsident Raketen abfeuern.

Und Russland? Die Ära politischer Froststimmung wie zu Zeiten der Obama-Regierung ist jedenfalls vorbei. Als richtiges Kuschelwetter lässt sich das Verhältnis zu Moskau allerdings auch nicht beschreiben, da man sich bei Donald Trump nie sicher sein kann, inwieweit er die Russen gerade mag oder nicht. Nach dem Besuch des russischen Außenministers etwa, vor dem der Präsident mit streng vertraulichen Geheimdienstinformationen geprahlt hatte, suchte Wladimir Putin den Schulterschluss zu Trump, indem er der empörten amerikanischen Öffentlichkeit anbot, Protokolle des Treffens zu veröffentlichen.

Skurriler wird die Situation nur noch, wenn es um die möglichen Russlandkontakte von Trumps Wahlkampfteam geht. Den Chefermittler des FBI, der in dieser Angelegenheit ermittelt hatte, entließ der Immobilientycoon jedenfalls schon mal vorsorglich, die Begründung dafür versteckt sich wohl als Körnchen Wahrheit unter endlosen Ausreden in einem der wenigen Interviews, das der Präsident seitdem gegeben hat. Das Verhältnis zu den Medien – angespannt. Wie sollte es aber auch anders sein, wenn offensichtliche Falschinformationen der Trump-Regierung (auch „alternative Fakten“ oder schlicht Lügen) von den großen amerikanischen Nachrichtenagenturen aufgedeckt und als Eklat verbreitet werden?

Daher verstärkt sich die Tendenz des US-Präsidenten, Eisen, die zu heiß sind, einfach kurzzeitig beiseite zu legen und sich einem neuen Ziel zu widmen. Mit Ausnahme eines Themas. Und das heißt Klimaschutz.

Trumps Meinung ist dazu eindeutig, nirgendwo scheinen die Gräben tiefer, die Positionen weiter entfernt voneinander zu sein. Der jüngste G7-Gipfel auf Sizilien, ein Treffen der sieben größten Industrienationen der westlichen Welt, zeigte sehr deutlich, dass Donald Trump allein mit seiner These ist, in der er behauptet der Mensch sei nicht verantwortlich für den Klimawandel. Umweltauflagen? Stopp von Kohleabbau? Umstieg auf erneuerbare Energien? Jobkiller für die immer noch sehr große Kohleindustrie der USA.

Dabei bemüht man sich weltweit den narzisstischen Präsidenten der Vereinigten Staaten wenigstens in dieser einen Sache vom Gegenteil zu überzeugen. Drängender könnten die Vorzeichen ja auch nicht sein, angesichts des dritten „heißesten Jahres seit Beginn der Wetteraufzeichnung“ in Folge, schmelzender Polkappen und zunehmender Wetterextreme. Der Klimawandel ist Realität. Doch wie überzeugt man Donald Trump davon?

Die G7-Partner haben es jedenfalls versucht, letztendlich appellierten Europäische Nationen, Staaten der UNO – ja sogar der Papst – an den amerikanischen Präsidenten, die Brisanz dieses Menschheitsproblems zu erkennen. Man braucht die USA, den weltweit zweitgrößten CO2-Produzenten nach China, im Boot der Klimaschützer. Trump aber handelt gemäß seines Mottos „Make America great again“ – und setzt Amerika zuerst. Dass damit ein Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen – immerhin der erste globale Plan zur Begrenzung des Klimawandels der Geschichte – klar ist, verkündete der Präsident im Rosengarten des Weißen Hauses. Es gehe um amerikanische Arbeitsplätze, amerikanische Industrie, amerikanische Interessen schlechthin, so Trump. Und die Konsequenzen?

Man könne ja immer noch einen neuen Deal aushandeln, der weniger „unfair“ für die USA sei. Wie das mit 192 Staaten so schnell funktionieren soll, bleibt der Logik dieses Reality-TV-Stars überlassen.

 

 

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