Kleiner Beitrag, große Wirkung

Von Wonder Woman

Der Schulalltag an unserer Öko– Schule

Verzweifelt sitze ich in der Klasse und schlage nervös meinen Füller auf den Tisch. Vielleicht hätte ich doch ein bisschen mehr für den Test lernen sollen. Unsere Lehrerin läuft durch die Reihen und teilt bereits die Blätter aus. Wieso sind diese heute so gelb? Nein, kein buntes Tonpapier– gelb, irgendwie… angelaufen, fast schon verschimmelt… Was soll´s. Seufzend konzentriere ich mich wieder auf meinen Stift, als mir auch schon der Test auf den Platz geklatscht wird. Ich starre das Stück Papier vor mir an. Irgendetwas ist falsch… Die Wörter darauf kommen mir keinen Deut bekannt vor, nicht eine einzige Vokabel habe ich jemals gesehen. Waren meine vier Jahre Französisch so nutzlos? Das kann nicht sein… Moment, das ist doch gar nicht Französisch… Das sind ganz andere Schriftzeichen, vielleicht ist es Griechisch… Bin ich etwa in der falschen Klasse gelandet? Gerade will ich unsere Lehrerin nach einer Erklärung fragen, da verkündet sie schon, wir können die Blätter umdrehen. Sofort wende ich mein Blatt und lese erleichtert „Französisch Test No.2“. Ich schnaufe auf. Unsere Lehrerin hat nur alte Blätter wiederverwendet! Wieso gehe ich nochmal auf so eine Ökoschule?
Nach dem Test bricht endlich die große Pause an. Ich steuere in Richtung VHS, ein Kaffee wäre jetzt super, aber ein Snickers würde es auch schon tun. Ich laufe gerade die Treppe hinunter, als mich die Erkenntnis trifft: Der Automat ist weg. Für immer. Nie wieder wird er zurückkommen. Und niemand weiß, wieso, bestimmt wieder so ein ökologisch vertretbarer Grund. Ich schniefe und mache mich auf den Weg zum Unterricht.
Der Lehrer kommt pünktlich (wie immer zu pünktlich) und ich schaffe es gerade noch so, mich als Letzte ins Klassenzimmer zu zwängen. Ich ziehe die Tür hinter mir zu und mich lächelt die Zeichnung von Herrn Groß an, welcher verkündet: „Licht aus, Fenster zu!“ Ich kann mir den echten Herrn Groß dabei bildlich vor meinen Augen vorstellen. Ich schüttle mir die Vorstellung aus dem Kopf und setzte mich auf meinen Platz.

„So“, verkündet nun unser Lehrer, so motiviert, wie er nur sein kann, da ihm wieder einmal ein Teil seiner Stunde aufgrund von Organisation gestohlen werden wird. Sehr zum Bedauern der Schüler natürlich.
„Wie jedes Jahr müssen wir die Umweltsprecher der Klasse wählen…“ Die Klasse stöhnt und ich erwische den Lehrer sogar dabei, wie er die Augen verdreht.

„Also, gibt es Freiwillige?“ Ich lasse meinen Blick durch die Menge schweifen, doch niemand macht Anstalten dazu, die Hand zu heben. „Ach kommt schon, das ist doch ein super Job!“ Dabei checkt der Lehrer die Uhrzeit, war ja klar, ihm geht es nicht wirklich um den Umweltsprecher, sondern um jede einzelne vergeudete Sekunde. „Was müssen wir eigentlich als Umweltsprecher machen? Die bringen doch gar nichts“, meint jetzt ein Mitschüler. Berechtigte Frage… „Ähm… also die Schüler müssen dann besonders… äh… darauf achten, dass Lichter ausgeschaltet werden und auf das richtige Lüften und…“ Mein Blick rutscht rüber zum zweidimensionalen Herrn Gross. Ich dachte, das wäre seine Aufgabe… Der Arme…

„Achtung eine Durchsage, Achtung eine Durchsage!“, ertönt es jetzt plötzlich und die halbe Klasse erleidet beinahe einen Herzinfarkt. „Morgen findet unser alljähriger Fahrradwettbewerb statt! Die SMV freut sich schon zu sehen, welche Klasse am sportlichsten ist! Außerdem tut ihr etwas Gutes für die Umwelt, indem ihr einmal nicht von euren Eltern mit dem Auto in die Schule gefahren werdet! Also macht unbedingt mit!“ Schon wieder dieser lächerliche Wettbewerb? Finster erinnere ich mich ans letzte Jahr zurück.

Damals hatten wir Blumensamen gewonnen, ich sehe noch die überglücklichen Gesichter meiner Klassenkameraden, als uns unser Preis überreicht wurde. Noch besser erinnere ich mich aber daran, dass ich aus meinem Ort 40 Minuten zur Schule radeln musste und dann schön verschwitzt am Unterricht teilnahm. Den Trostpreis verdanken wir all den Sindelfinger Mitschülern, die ihren fünfminütigen Weg von zuhause zur Schule kutschiert wurden – wären wir Erster geworden, hätten wir sogar ein Kochbuch gewonnen.

In den letzten Minuten erbarmen sich dann doch noch zwei Schüler, den verantwortungsvollen Auftrag als Umweltsprecher zu übernehmen (Mir tut Herrn Groß´ Zeichnung mittlerweile echt leid, seine Anwesenheit wird gar nicht wert geschätzt) und unser Lehrer gibt uns einen Haufen an Hausaufgaben, aus Frust an unsere umweltbewussten Tätigkeiten.

In der darauffolgenden Schulstunde haben wir Erdkunde und schauen einen Film zu Naturkatastrophen und Klimawandel. Eigentlich sollte ich mich freuen, denn einen Film zu schauen, bedeutet keinen Unterricht zu haben, doch mir wird plötzlich alles durch diesen Film bewusst:

Unsere Umwelt befindet sich in großer Gefahr, wirklich, diese nimmt von Tag zu Tag zu und daran sind allein wir Menschen schuld. Es ist besser, auch mal auf weißes Papier zu verzichten, solange es dem Erhalten unserer Umwelt dient. Mit dem Fahrrad in die Schule fahren, Lichter ausschalten, wenn es nicht notwendig ist… Wieso nicht, wenn wir damit das Überleben unseres Planeten, unseres Lebens sichern? Also Appell an euch liebe Leute! Unsere Schule ist nicht so auf unsere Umwelt fokussiert, weil sie uns das Leben schwer machen will, sondern genau das Gegenteil. Und das wird nur durch unsere Mithilfe gefördert!

Den Automaten in der VHS hätte ich aber trotzdem gerne wieder zurück, ohne einen Schokoriegel überlebt man den Tag an unserer Öko–Schule nämlich wirklich nicht so leicht!

 

 

 

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2 Kommentare

  1. Ach der arme graue Schulalltag… der kann einem doch fast leid tun, oder?
    Super Artikel!!
    Der arme gezeichnete Herr Groß…
    Und: R.I.P der Getränkeautomat.

    Gefällt mir

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